Killer! – Karneval der Rollenspielblogs: Rollenspiel im täglichen Leben

Ich mache also bei meinem ersten Karneval der Rollenspielblogs mit. Diesen Juli richtet ihn das Nerd Wiki aus, es geht um Rollenspiel im täglichen Leben.

Killer

Mir schoss nach dem ersten Lesen der Einleitung sofort Killer: The Game of Assassination von Steve Jackson Games in den Kopf. Es handelt sich um ein LARP, angeblich das erste überhaupt, in dem die Spielerinnen und Spieler darauf aus sind, sich gegenseitig mit Pseudowaffen um die Ecke zu bringen. Das Spiel kam bereits 1981 heraus und basiert auf dem Spiel Assassin, das in den USA anscheinend an den Unis größere Verbreitung hatte und auch aktuell noch gespielt wird. Ich las Mitte der Neunziger das erste Mal von Killer, glaube ich, und fand es ziemlich faszinierend.

Cover des LARPs 'Killer'

Wie funktioniert das?

Du läufst durch die Gegend und suchst die Zielperson, auf die die Spielleitung dich angesetzt hat. Und gleichzeitig pflegst du die beste Paranoia, weil die Spielleitung natürlich auch jemanden auf dich angesetzt hat.

Es gibt Varianten, in denen die Spieler nicht mal wissen, wer noch mitspielt. Das sorgt schon für eine gewisse „Anspannung“, haha.

Der Vertrag

Die Spielleitung verteilt an jeden Mitspieler die Details des Spiels: Was wird gespielt, welche Sonderregeln gibt es, wie kann die Spielleitung erreicht werden.

Waffen, Waffen und nochmals Waffen

Als Tötungsarsenal1 stehen dir alle möglichen Dinge zur Verfügung, die am besten nicht als echte Waffen durchgehen. (Auch Anfang der Achtziger sahen es Polizisten nicht gern, wenn jemand eine schwarze Pistolenattrappe im Einkaufszentrum zog ...) Nerf-Guns, Luftballon-Wasserbomben, Bananen, Konfetti als Füllung von „Splittergranaten“; Zettel auf denen „Schlange“, „Giftige Spinne“ oder Ähnliches steht. Der Fantasie sind nur dort Grenzen gesetzt, wo Verwechslungsgefahr mit echten Waffen oder Gefahr der Verletzung besteht. Es gibt seitenweise Vorschläge für Zeitbomben, Bewegungssensoren, Teleporter und anderen freakigen Kram.

[1] Der Begriff kam mir zunächst etwas krass vor, andererseits bauen viele Rollenspiele genau auf so etwas. Insofern lasse ich es mit Absicht stehen. Hier trifft es den Nagel auf den Kopf. Autsch.

Rollenspiel

Spielerinnen können einfach sich selbst spielen oder für speziellere Rollenspielszenarien einen bestimmten Typus mit oder ohne Kostüm verkörpern. Es braucht dazu kein ausgeklügeltes Regelwerk, der jeweilige Typus bringt einfach eine Eigenschaft mit, für deren Ausspielen es mehr Siegpunkte gibt.

Szenarien und Spielmodi

Killer bringt schon viele Ideen mit, zum Beispiel Chicago 1920, The Borgias Game, Thing From Outer Space, Final Exams (Illuminati University); Team Killer, Zen Killer2, ...

[2] In der Variante geht es um die Entwicklung des besten Plans, jemanden umzubringen, spielt sich also komplett im Kopf ab. Vielleicht die perfideste Variante.

Ích hab auch eine Doku namens The Assassins Guild Documentary gefunden.

Fazit

Ich bin bei Killer echt zwiegespalten. Einerseits war es bereits 1981 eine ziemlich coole Spielidee beziehungsweise Variante von Assassin und brachte das Spiel vom Tisch auf die Straße. Andererseits ist es dadurch für meinen Geschmack schon wieder zu real. Als Spiel auf abgegrenztem Gebiet macht es bestimmt viel Spaß, ist es doch für so ziemlich jedes Genre verwendbar.

Ich hab es selbst nie gespielt, konnte aber zumindest diesen Karneval der Rollenspielblogs nutzen, um mir das PDF zuzulegen, quasi als Zeitdokument. Würde ich es in einem begrenzten Spielrahmen zocken? Abgesehen davon, dass ich kein LARPer bin, warum nicht? Muss mensch ja in diesem Fall auch nicht volle Kanne sein.

Die Regeln geben sich Mühe, sehr deutlich zu machen, dass mensch nicht mit Idioten spielen sollte. Es fordert ein recht hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein, wenn da draußen™ gespielt wird. Trotzdem, geht so etwas heute noch? Über Stunden oder auch Tage ständig im Spiel und die ganze Zeit on fire zu sein?

Eure Meinung

Sollte mensch so ein Spiel im täglichen Leben spielen? Gerade heutzutage, wo alleingelassene Rucksäcke zur Sperrung von Bahnhöfen führen und zu realistische Waffen mit dem Knie eines 90-Kilo-Polizisten im Nacken enden können?

Was meint ihr dazu?