NordCon 2017 in Hamburg – ein Conbesuch am Samstag

Am 10.06.2017 war ich auf dem NordCon in Hamburg. Nachdem ich das erste und bis dato letzte Mal im Jahr 1992 dort gewesen war, war die Spannung groß, wie es wohl sein würde.

Ich erinnere mich nicht mehr genau an den ersten Besuch, abgesehen von einer Gesprächsrunde mit Wolfgang Hohlbein, den viele als erfolgreichen Phantastik-Autor kennen dürften. An den gestrigen Besuch erinnere ich mich dafür umso besser.

Ankunft und erstes Umschauen

Wir kamen um kurz nach 11:00 in der Schule am Pachthof an und erkundeten zunächst die Außenanlagen. Das Wetter war gut, die Sonne schien und es war nicht zu warm. Mir fielen sofort die Jugger-Aktivitäten auf, von denen ich im Vorfeld gar nichts mitbekommen hatte. Wer Jugger nicht kennt, es ist eine Art „Mittelalter-Football“, bei der es darum geht, den „Jug“ (den Spielball) auf die Markierung in der gegnerischen Endzone zu legen. Bis auf den Läufer, der diese Aufgabe zu erfüllen hat, versuchen die anderen Mitstreiter, den Weg mit ihren Polsterwaffen dafür freizumachen. Wer von einer solchen Waffe berührt wird, setzt für eine bestimmte Anzahl Sekunden aus und kann dann wieder am Geschehen teilnehmen. Ist recht witzig.

In der Umgebung der Sportanlagen gab es noch einige Stände, Workshop-Zelte und eine Bühne, auf der am Nachmittag die Mittelalter-Band Flötenfetzer spielen sollte. Es gab so einige Gewandete, meinem Empfinden nach überwiegend aus dem Fantasy-/Mittelalter-Bereich. Da es in der Turnhalle der Schule aber auch eine Zombiecalypse gab, mischten sich auch so manche Zombies zwischen. Nach einer Runde auf dem Gelände machten wir uns dann in Richtung Schulgebäude auf, um die dortigen Händler und die Aktivitäten im Gebäude selbst unter die Lupe zu nehmen.

Im Uhrwerk-Zelt schaute ich mich kurz um, fand allerdings nichts, was ich erstehen wollte. Es gab unter anderem Splittermond-Material, FATE-Settings wie Eagle Eyes, Bergungskreuzer Möwe, Malmsturm und das Spiel Equinox. Bei Letzterem bin ich immer versucht, wenn ich es irgendwo sehe, aber bei einem Preis von etwa 35 EUR für einen Settingband jedes Mal wieder abgeschreckt. Ich will hier keine Diskussion über „angemessene Preise von Rollenspielmaterial und Bezahlung von Mitarbeitern“ lostreten, da ist halt für Sachen, die ich vermutlich nie spielen werde, eine Schmerzgrenze überschritten – und Rollenspielkrams kaufe ich mir schon lange nicht mehr nur zum Lesen.

Die Veranstaltungen des Cons verteilten sich über vier Etagen. Wir gingen auch im Gebäude erst mal bei den Händlern gucken. Das Atlantis aus Hamburg war mit einem kleinen Stand vertreten, Erdenstern waren da und noch ein paar Stände mit Schmuck und Kleinkrams. Interessant fand ich, dass Lamentations of the Flame Princess einen eigenen Stand hatten und dort neben gedrucktem Papier auch verschiedene T-Shirts anboten. Da Weird Fantasy nicht so meins ist, blieb auch dort mein Geld im Portemonnaie. Das noch aktuelle Album von Erdenstern hatte ich auch schon auf einem der vorigen Unicons abgegriffen.

Workshops

Die erste Veranstaltung, die ich besuchte, war der Workshop „Stimmung in Fantasy-Rollenspielen“ mit Thomas Finn. Er präsentierte kurzweilig, hauptsächlich an Spielleitungen gerichtet, wie man das Spielerlebnis mit interessanten Abenteuerideen, NSC und der eigenen Rollenspielweise aufpeppen kann. Nach einer Pause an der frischen Luft ging es dann zum Workshop „Spieler machen Leute“ mit Lars Schilling. Er zeigte Mittel und Wege auf, um interessante Spielfiguren und NSC zu entwickeln. Auch dieser Workshop war sehr kurzweilig und amüsant.

Direkt im Anschluss ging es dann zum Workshop „Veröffentlichungen im Rollenspielgeschäft“ mit Uhrwerk Verlag-Chef Patric Götz und dem Shadowrun-Verantwortlichen Tobias Hamelmann. Uli Lindner aus dem Splittermond-Team war im Programmheft auch angekündigt, aber nicht zugegen.

Thematisch ging es um den Weg eines Produkts von der Idee/Übersetzung bis zum letztlichen Druck. Es wurden auch viele interessante Fragen aus dem, wie ich fand, eher spärlichen Publikum von vielleicht 12 Teilnehmern beantwortet. Ich hatte mir im Vorwege schon Gedanken gemacht, dass es sehr voll werden könnte, was dann aber offensichtlich nicht der Fall war. Es wurde viel aus dem Nähkästchen geplaudert, ob es nun um die durchschnittliche Anzahl von Ilustrationen pro Publikation ging, Tipps und Tricks und Anekdoten aus dem Lektorat und Layout oder grobe Hausnummern, was Auflagenzahlen anging. Patric Götz ließ zumindest durchblicken, dass die niedrigste Auflage bislang 300 und die höchste 3.000 gewesen sei.

Bemerkenswert fand ich, dass Tobias Hamelmann die Redaktion und das Layout der Shadowrun-Publikationen noch neben seinem Redakteursposten beim GEO-Magazin bewältigt. Ob er von Pegasus (auf Honorarbasis) so mies bezahlt wird wie so manch andere Leute im Rollenspielbereich? Es wurde ganz offen bestätigt, dass die generelle Entlohnung [der Massen; eigene Anmerkung] „mickrig“ sei und viel von Enthusiasten erledigt werde, die eher Spaß daran hätten, an ihrem Lieblingsspiel mitzuwirken.

PDF-Dateien on-demand drucken lassen?

Abschließend kam unter anderem die Frage auf, wie es sich eigentlich mit gekauften PDF-Dateien verhalte, die man sich über Print-on-demand drucken lassen wolle. Sei das legal / in Ordnung? Sowohl Tobias Hamelmann als auch Patric Götz kommunizierten (der eine mit Worten, der andere durch Kopfnicken), dass es als Einzelexemplar für den nichtkommerziellen Gebrauch in Ordnung sei. Ein Exemplar für jeden Mitspieler in der Gruppe sei schon „eine Grauzone“, der Verkauf aber natürlich in keinem Falle okay. Das Thema war auch in der deutschen Rollenspiel-Community bei G+ schon das eine oder andere Mal aufgekommen, wo, wenn ich mich richig erinnerte, Unsicherheit vorhanden war. Für diejenigen ist es also nun quasi-offiziell, wenn sie da noch Zweifel hatten.

Nach dem Workshop machten wir uns dann langsam auf den Weg nach Hause.

Fazit

Mir hat der Samstag auf dem NordCon 2017 gefallen. Die drei besuchten Workshops waren lehrreich und kurzweilig, die Stimmung generell gut und mir wurde klar, dass ich nicht mehr wegen Spielrunden auf Cons gehe. Möglichkeiten hätte es viele gegeben, es fanden zig Runden statt, aber die Workshops waren mir wichtiger. Leider blockten sich einige oder ich brauchte nach der teilweise stickigen Luft einfach eine Pause im Freien. Vom Programm her will ich mich tatsächlich nicht beschweren, es war vielfältig.

Vielleicht bis 2018.

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